28.12.2015

 

Lena ist inzwischen 22 Jahre alt, eine junge Frau, eine Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und Zielen. Bisher haben wir Eltern, mit den Geschwistern und dem Pflegedienst, alles versucht, Lena trotz aller ihrer Einschränkungen, ein glückliches Leben zu ermöglichen. Diese Aufgabe ist unser Lebensinhalt geworden, der sich alles andere unterzuordnen hatte. Für Außenstehende mag das durchaus unverständlich sein, manche Freundschaft ist daran zerbrochen und auch wir haben uns verändert.

 

Doch auch wir sind älter geworden und die eigene Leistungsfähigkeit lässt spürbar nach. Gleichzeitig taucht damit die Frage auf, wie geht es mit Lena weiter, wenn wir nicht mehr sind? Wie sieht ihre Zukunft aus, wo wird sie wie leben und wer kümmert sich in gleicher Weise um sie, wie wir es getan haben?

 

In vielerlei Hinsicht ist Lena hier, durch ihre Beeinträchtigungen, der Zugang zu Behinderteneinrichtungen verwehrt. Wir mussten die Erfahrung machen, das MRSA, ein Ausschluss Grund für das Leben in einer jugendlichen WG ist, von der es auch nur wenige gibt.

Also bleibt eigentlich nur eine Pflegeeinrichtung, die sich auf Beatmungspatienten spezialisiert hat. Hier leben überwiegend ältere Komapatienten, deren Pflege im Vordergrund steht. Ein Ort für unsere Tochter, wo sie ein selbst bestimmtes Leben führen kann?

 

Lena benötigt tagsüber eine 1:1 Betreuung, die gibt es in keiner Pflegeeinrichtung. Und ein Personalschlüssel von 1:2 bedeutet zwangsläufig, das nur die Hälfte der bisherigen Zeit für Lena zu Verfügung steht. Für Jemanden der sich selbstständig bewegen kann, vielleicht machbar, aber für Menschen die sich nicht bewegen können und ständig auf Hilfe angewiesen sind, keine gute Lösung. Und der aktuelle Personalschlüssel liegt bei 1:3.

 

Der einzige Ausweg, wäre eine von Eltern betreute und finanzierte WG ins Leben zu rufen, die sich ausschließlich an den Bedürfnissen schwerst-mehrfach behinderter Kinder und Jugendlicher orientiert. Deren Leben nicht nur von Pflege bestimmt wird, sondern von sich klar, an ihren persönlichen Zielen orientiert. Inmitten der Gesellschaft mit echter Lebensqualität. Urlaube, Konzertbesuche, Shoppen, Erlebnisse und Aktivitäten- genauso, wie wir alle gerne leben.

 

Unmöglich!? Nein, mit 4-6 Teilnehmern, sollte sich eine WG finanzieren lassen, die sich ausschließlich am Wohl junger Menschen orientiert und ihnen eine glückliche Zukunft garantiert, wenn wir es nicht mehr können.

 

Für diese mögliche Zukunft haben wir ein Konzept, was uns fehlt, sind Eltern, die bereit sind, für ihre Kinder neue Wege zu gehen.